Informationsportal der NBB
Meta-Navigation
 
DV
Der Klassiker der betrieblichen Altersversorgung weiter im Aufwind.
 
Eine weit verbreitete Form der betrieblichen Altersversorgung ist die Direktversicherung. Bei diesem Durchführungsweg schließt der Arbeitgeber per Einzel- oder Gruppenvertrag eine Lebensversicherung für seine Arbeitnehmer ab.
 
Versicherungsnehmer und Beitragsschuldner ist somit der Arbeitgeber - Begünstigter aber ist der Arbeitnehmer. Finanziert der Arbeitgeber die Aufwendungen, sind diese voll abzugsfähige Betriebsausgaben. Oft werden die Beiträge auch vom Arbeitnehmer getragen und fließen durch Entgeltumwandlungen in die Direktversicherung.

Auf einen Blick

Die Direktversicherung eignet sich vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen, da der Verwaltungsaufwand für den Arbeitgeber gering ist und er kein finanzielles Risiko trägt. Auch für den Arbeitnehmer ist dieser klassische Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung sehr attraktiv.
 
Die Beiträge in die Direktversicherung sind bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) der gesetzlichen Rentenversicherung (BBG) steuerfrei und bis zu 4 % sozialabgabefrei. Sofern ein Vertrag nach § 40b EStG a.F. pauschal besteuert wird, ist dieser Beitrag auf die 8 % der BBG anzurechnen.
 
Finanziert werden die Beiträge entweder vom Arbeitgeber (arbeitgeberfinanziert) oder vom Arbeitnehmer (Entgeltumwandlung).

Im Detail

Vorteile für den Arbeitgeber

• Beiträge sind als Betriebsausgaben absetzbar
• Einsparung von Lohnnebenkosten
• Einfaches Produkt für die Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers
• Kein Bilanzausweis erforderlich
• Geringer Verwaltungsaufwand
• i.d.R. keine PSV-Beiträge
• Versicherungsvertragliches Verfahren
 

Vorteile für den Arbeitnehmer

• Steuerfreie Beiträge bis 8 % der BBG
• Sozialabgabefreie Beiträge bis 4 % der BBG
• Große Produktvielfalt
• Private Weiterführung nach Ausscheiden möglich
• Abkommen zur Übertragung von Direktversicherungen auf den neuen Arbeitgeber
• Flexible Gestaltung der Versorgung (Alter, Tod, Berufsunfähigkeit)
 

Beratung

FAQ zur Direktversicherung

Wer kann eine Direktversicherung abschließen?

Jeder, der über einen Dienst- oder Arbeitsvertrag angestellt ist, kann über seinen Arbeitgeber eine Direktversicherung abschließen. Der mittelbare Durchführungsweg Direktversicherung ist Umsetzung eines betrieblichen Versorgungsversprechens und somit zwingend an ein Arbeits- oder Dienstverhältnis gebunden. Hierbei muss es sich aus steuerlichen Gründen um das erste Dienstverhältnis handeln.
 
Durch die Einbeziehung eines Lebensversicherungsunternehmens als Versorgungsträger entsteht eine Dreierbeziehung. Der Arbeitgeber ist damit nur noch mittelbar Leistungsträger, der Arbeitnehmer bzw. die Hinterbliebenen sind Leistungsempfänger, die Leistungen werden vom Lebensversicherungsunternehmen übernommen.

Welche Leistungen sind für eine Direktversicherung möglich?

- Altersleistung ab dem 62. Lebensjahr
- Leistungen im Falle der Invalidität oder
- Hinterbliebenenleistung

Was ist bei einer Entgeltumwandlung vertraglich zu beachten?

Bei der Entgeltumwandlung, mitunter auch Gehaltsumwandlung in eine Direktversicherung genannt, muss die Direktversicherung immer folgende Eigenschaften erfüllen:
 
- Dem Arbeitnehmer ist ein unwiderrufliches Bezugsrecht einzuräumen.
- Eine Abtretung oder Verpfändung muss ausgeschlossen sein.
- Die Überschussanteile dürfen nur zur Verbesserung der Leistungen verwendet werden.
- Der Arbeitnehmer muss nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen das Recht zur Fortsetzung mit eigenen Beiträgen haben.
 
Damit erfüllt eine Entgeltumwandlung immer die Grundvoraussetzungen für die versicherungsvertragliche Lösung.

Fallen auf die Leistungen aus einer Direktversicherung Beiträge zur gesetzl. SV an?

Auf Leistungen aus einer Direktversicherung sind Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zu zahlen. Gesetzlich Versicherte zahlen jeweils den vollen allgemeinen Beitragssatz.
 
Bei monatlichen Ratenzahlungen wird der Beitrag aus der Rente berechnet. Einmalige Kapitalzahlungen werden fiktiv auf 120 Monate verteilt. Der Beitrag errechnet sich aus dem 120igstel der Kapitalzahlung und muss für längstens 120 Monate bezahlt werden.

Wer kann die Steuerfreiheit der Beiträge nach § 3 Nr. 63 EStG in Anspruch nehmen?

Grundsätzlich kann jeder Arbeitnehmer die Steuerfreiheit des § 3 Nr. 63 EStG für Beiträge in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder in einen Pensionsfonds nutzen.
 
Arbeitnehmer müssen mit erstem Arbeitsverhältnis bei dem Arbeitgeber beschäftigt sein. Dabei ist es unerheblich, ob der Arbeitnehmer in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist oder nicht.
 
Auch förderfähig sind:
- beherrschende Gesellschafter - Geschäftsführer,
- in einem berufsständischen Versorgungswerk Versicherte (z. B. Ärzte, Rechtsanwälte usw.),
- geringfügig Beschäftigte,
- Aushilfen.
 
Beschäftigte, deren Einkommen mit Steuerklasse VI versteuert wird, können die Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 63 EStG nicht nutzen.

Was ist für die Steuerfreiheit der Beiträge nach § 3 Nr. 63 EStG zu beachten?

Eine Direktversicherung kann grundsätzlich nachgelagert besteuert werden, indem die Beiträge nach § 3 Nr. 63 EStG steuerfrei eingezahlt werden:
 
- Für Arbeitnehmer mit erstem Arbeitsverhältnis (nicht Steuerklasse VI)
- Nur für Direktversicherungen, die auf Versorgungszusagen beruhen, die
 
  • nach 2004 erteilt wurden,
  • vor 2005 erteilt wurden, die Voraussetzungen erfüllen und für die kein Verzicht auf die Steuerfreiheit ausgesprochen wurde.

 
Mögliche Leistungen im Alter:
 
- Laufende Renten (Kapitalwahlrecht ist zugelassen)
- Auszahlungspläne
 
Mögliche Leistungen im Falle der Erwerbsminderung oder im Todesfall:
 
- Laufende Renten (Kapitalwahlrecht ist zugelassen)
 
Leistungen sind nur an folgende Hinterbliebene (als Begünstigte im Falle des Todes im Versicherungsvertrag genannt) zulässig:
 
- Ehepartner, auch ehemalige Ehepartner
- Kindergeldberechtigte Kinder
- Eingetragene Lebenspartner
- Lebensgefährten mit gemeinsamen Haushalt oder Unterhaltsverpflichtung
 
Ein Kapitalwahlrecht ist laut BMF-Schreiben vom 24.07.2013 unschädlich, sofern es frühestens ein Jahr vor Übergang in den Ruhestand ausgeübt wird. Bei Lebensgefährten muss versichert werden, dass eine gemeinsame Haushaltsführung besteht.
 

Wie ist steuerlich zwischen Altzusage in 2004 und Neuzusage ab 2005 zu unterscheiden?

Für eine Altzusage muss die Verpflichtungserklärung des Arbeitgebers, die zu einem Rechtsanspruch führt, vor 2004 abgegeben worden sein. Eine Zahlung muss nicht vor 2005 erfolgt sein. Dieser Rechtsanspruch darf nicht durch eine noch in der Zukunft zu treffende Entscheidung eingeschränkt sein.
 
Besteht bereits eine kollektive Regelung, so muss der Beginn des Dienstverhältnisses in 2004 liegen, damit es sich um eine Altzusage handeln kann.
 
Wird aufgrund einer von vorneherein festgelegten Vorschaltzeit oder Wartezeit der erste Beitrag erst nach 2004 gezahlt, so handelt es sich um eine pauschalbesteuerungsfähige Altzusage. Für diese ist, sofern die dann abzuschließende Direktversicherung lebenslange Renten oder nach einem Auszahlungsplan leistet, bis zum 30.06.2005 ein Verzicht auf die Steuerfreiheit zu erklären.
 
Bei einer ganz oder teilweise auf Entgeltumwandlung basierenden Zusage, die noch vor 2005 vereinbart wurde, muss die Herabsetzung des Arbeitslohns innerhalb von zwölf Monaten erfolgen. Liegen mehr als zwölf Monate zwischen Vereinbarung der Entgeltumwandlung und der Herabsetzung des Arbeitslohns, so gilt als Zeitpunkt der Zusage (steuerlich) der Herabsetzungszeitpunkt.
 
Praxis-Beispiel:
 
Herr M. trat zum 01.12.2004 in das Unternehmen U-AG ein und erhielt im Rahmen eines bestehenden Versorgungswerks die Zusage auf den Abschluss einer Direktversicherung nach Ablauf von fünf Jahren zum 01.12.2009; den Beitrag von jährlich 1.000 €, der pauschal besteuert werden soll, trägt der Arbeitgeber. Herr M. unterschrieb zusammen mit der Kenntnis der Zusage und der Einverständniserklärung zum Abschluss einer Versicherung seinen Verzicht auf die Steuerfreiheit dieser Beiträge. Es handelt sich um eine Altzusage; der Arbeitgeberbeitrag kann, obwohl die erste Beitragszahlung erst in 2009 erfolgt, nach § 40b EStG 2004 pauschal besteuert werden.
 
Praxis-Beispiel:
 
Herr M. vereinbart zusätzlich am 15. 12. 2004 eine Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung, mit der seine Sonderzahlung im November 2005 herabgesetzt wird. In der Vereinbarung verzichtet er ferner auf die Steuerfreiheit dieser Beiträge. Auch hierbei handelt es sich um eine pauschal besteuerungsfähige Direktversicherung, die Beiträge ab 2005 können nach § 40b EStG 2004 besteuert werden.
 
Anmerkung zu den Beispielen: Ist als Leistung der Direktversicherungen bei Ablauf jeweils eine Kapitalzahlung vorgesehen, so ist ein Verzicht nicht erforderlich.
 
Abgrenzung Altzusagen - Neuzusage
 
Eine Altzusage bleibt eine Altzusage, wenn bei ansonsten unveränderter Zusage
 
  • die Beiträge erhöht oder herabgesetzt werden,
  • die Leistungen erhöht oder vermindert werden,
  • die Finanzierungsform wechselt, z. B. von Arbeitgeber finanziert in Entgeltumwandlung und umgekehrt,
  • der Versorgungsträger oder der Durchführungsweg gewechselt wird (z. B. von Direktversicherung in Pensionskasse, bei Übertragung einer unveränderten Zusage auf einen neuen Arbeitgeber),
  • die Rechtsgrundlage gewechselt wird (z. B. von Betriebsvereinbarung in Einzelzusage),
  • eine befristete Entgeltumwandlung verlängert wird.

 
Werden biometrische Risiken erweitert (z. B. Einschluss einer Erwerbsminderungszusatzversicherung) mit Erhöhung des Beitrags, so handelt es sich für diesen Bestandteil um eine Neuzusage. Ebenfalls handelt es sich um eine Neuzusage, wenn ein Übertragungswert bei Arbeitgeberwechsel in eine neue Zusage überführt wird.

Gesetzliche Grundlagen zur Direktversicherung - Wo finde ich was?

Direktversicherung, Begriff § 1b Abs. 2 BetrAVG
 
Anspruch auf eine Direktversicherung § 1a Abs. 1 Satz 3 BetrAVG
 
Anspruch auf die "Riester-Förderung" § 1a Abs. 3 BetrAVG
 
Unverfallbarkeit Direktversicherung § 1b Abs. 2 BetrAVG
 
Sofortige Unverfallbarkeit bei einer Entgeltumwandlung § 1b Abs. 5 BetrAVG
 
Erreichte Anwartschaft als unverfallbarer Anspruch § 2 Abs. 5b BetrAVG
 
Versicherungsvertragliche Lösung § 2 Abs. 2 Satz 2 ff. BetrAVG
 
Abfindung § 3 BetrAVG
 
Portabilität (Übertragung) § 4 BetrAVG
 
Recht auf Übertragung § 4 Abs. 3 BetrAVG
 
Steuerfreie Zuwendungen für Neuzusagen ab 2005 § 3 Nr. 63 EStG
 
Steuerfreie Vervielfältigung § 3 Nr. 63 Satz 4 EStG
 
Betriebsausgabe und keine Zurechnung zum Betriebsvermögen § 4b EStG
 
Pauschalierung der Lohnsteuer § 40b EStG i.d.Fassung 2004
 
Detailregelungen zur Pauschalierung A 129 LStR
 
Sonderausgabenabzug § 10 Abs. 1 Nr. 2b EStG
 
Steuerbegünstigung der Kapitalzahlung bei Pauschalierung § 20 Abs.1 Nr.6 EStG i.V.m.
 
"Riester-Förderung" durch Zulagen durch Sonderausgaben § 82a EStG, § 10a EStG
 
Ertragsanteil von Rentenleistungen § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a bb EStG
 
Nachgelagerte Besteuerung § 22 Nr. 5 EStG
 
Hinterbliebener bei der Steuerfreiheit der Beiträge nach § 3 Nr. 63 EStG BMF-Schreiben v. 24.07.2013 Rz. 287
 
Hinterbliebener Pauschalbesteuerung beliebig BMF-Schreiben v. 24.07.2013 Rz. 288
 
Beitragspflicht Krankenversicherung § 229 Abs1 Satz 1 Nr. 5+Satz 3 SGB V
 

Haben Sie Fragen?

Bitte wenden Sie sich an Ihren Fachspezialisten vor Ort oder an die bAV-Fachberatung.

Ansprechpartner NÜRNBERGER Betriebsrenten (BA822) (PDF, 141 KByte)

Zusätzliche Informationen